Konzeptionsgespräch mit O-Team und Bureau Baubotanik

Das HABITAT thematisiert den Wiederspruch zwischen einem Natur- und Artenschutz und einem möglichst verzichtsarmen urbanen Leben. Indem sich Tier, Pflanze und Mensch in der Installation einen sehr engen Raum teilen geht ein hohes Störungspotential einher. Dieses Störungspotential soll durch die Dramaturgie des performativen Stücks in einen konkreten, körperlich wahrnehmbaren Erfahrungsraum übersetzt werden. Diesen wollen mit Hilfe unterschiedlicher Disziplinen kreieren. Zu diesem Zweck werden alle Disziplinen durch denselben räumlichen Filter hindurch betrachtet und befragt. Künstler*innen genauso wie Botaniker*innen, genauso wie Besucher*innen, genauso wie Architekt*innen. Unsere erste gemeinsame Arbeitsebene ist ein gelber Tisch…

Bodenproben mit Sebastian Becker

Dass sich Dynamiken zwischen verschiedenen Spezies innerhalb von Ökosystemen entwickeln, lässt sich durch die Forschungsdisziplin der Störungsökologie erkennen. Welche ästhetischen und funktionalen Möglichkeiten des Umgangs zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen sich aus diesen Störungsmomenten ergeben, wollen wir anhand des HABITAT untersuchen.

Im ersten Schritt untersuchen wir den Boden. Bodenproben werden an verschiedenen Stellen der Fläche entnommen und auf ihren Nährstoffgehalt, Schadstoffe und die mikrobielle Atmung untersucht. So nehmen wir Proben von versiegelten Flächen und frisch Aufgeschüttetem, zwischen Schutt oder unter Brombeeren…

Über das Habitat

VORSTELLUNGSRAUM

Das HABITAT ist ein mindestens dreijähriger, performativer Vorstellungsraum zur gestörten Koexistenz von Pflanzen, Tieren und Menschen. Das HABITAT formuliert aus pflanzlicher, tierischer und menschlicher Perspektive die gesellschaftliche Problematik, unter welchen Bedingungen ein gelingendes Zusammenleben möglich ist – zwischen Abgrenzung und Nähe. Dabei versucht das HABITAT naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit aktuellen gesellschaftswissenschaftlichen Ansätzen zu vereinbaren. Ziel des HABITAT ist die Konstruktion einer wachsenden und sich weiter entwickelnden Bühneninstallation, die ein Zusammenleben von Pflanzen, Tieren und Menschen ermöglicht. Eine möglichst hohe Aufenthaltsqualität für Pflanzen, Tiere und Menschen ist das Ziel der Installation und wird durch eine Choreografie getestet und erfahrbar gemacht.

 

HABITAT

Das HABITAT problematisiert die aktuelle Auseinandersetzung mit dem Konflikt zwischen der Fragilität von Ökosystemen und dem kulturellen Wunsch nach Naturbeherrschung mittels Technik. Das HABITAT experimentiert mit den gesellschaftlichen Entwicklungen einer zunehmenden Urbanität und den damit verbundenen Verteilungskonflikten und vollzieht im Rahmen seiner Choreografie eine Form der Kulturtechnik, in der Wissenschaft und Kunstproduktion eine performative Einheit eingehen. Denn einer konkret umsetzbaren klimagerechten, baulichen Umwelt steht nicht nur ein technischer sondern auch ein sozialräumlicher Konflikt im Wege, der eine klare Vorstellung eines gelingenden, artendiversen und klimagerechten Zusammenleben von Pflanzen, Tieren und Menschen verhindert.

BÜHNENINSTALLATION

Die Bühneninstallation des HABITAT befindet sich im öffentlichen Raum um die Wagenhallen. Sie testet als baubotanisch konstruierter Experimentierraum die Möglichkeiten und Grenzen des Zusammenlebens von Pflanzen, Tieren und Menschen aus. Das HABITAT wird ein Ort sein, an dem Störungen und Kollaborationen innerhalb der Koexistenz möglichst konkret verhandelt werden um diese im Rahmen einer einfach verständlichen und nachvollziehbaren Choreographie erlebbar zu machen. Mit offenem Ausgang.

 

ORT

Seit 2016 haben sich die Außenflächen der Wagenhalle als ein performativer Spielort etabliert. An anderer Stelle haben wir dort gemeinsam mit den Choreografinnen Stine Hertel und Alice Ferl das performative Vorstellungsformat „Theatre of the Long Now“, als eine auf mindestens 100 Jahre angelegte Choreographie einer Brachfläche angelegt. In den kommenden Jahren wird auf den Außenflächen des Kunstvereins Wagenhalle e.V. durch die Entwicklung des Rosensteinquartiers ein zunehmender Nutzungsdruck lasten. Die darstellenden Künste sind dazu prädestiniert, Handlungsgewohnheiten aufzubrechen und uns zu helfen, sich mögliche Änderungen in unserem gesellschaftlichen Verhalten nicht nur vorzustellen, sondern auch direkt erfahren zu können.Deswegen installieren wir in den kommenden drei Jahren das HABITAT. Die Fläche soll langfristig der freien Szene zur Verfügung stehen, um sich dem speziellen gesellschaftlich drängenden Thema eines Zusammenlebens von Pflanze, Mensch und Tier unter der Prämisse der Klimaveränderung der Ökosysteme, aber auch der gesellschaftlichen Entwicklung widmen zu können.

Impressum

Das HABITAT ist ein transdisziplinäres, performatives Forschungsprojekt, gefördert durch das Kulturamt der Stadt Stuttgart, den Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg e.V., die IBA2027 (Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart GmbH) sowie den Kunstverein Wagenhalle e.V. und die Alfred Ritter GmbH & Co. KG.

Künstlerische Leitung: Bureau Baubotanik

Choreographie: Nina Malotta und Samuel Hof

Dramaturgie: Florian Feisel (Institut für Darstellende Kunst der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart) in Zusammenarbeit mit Paula Kohlmann und Martina Grohmann (Theater Rampe Stuttgart)

Einzelkünstlerin: Rebecca Hennel

Bühneninstallation: Bureau Baubotanik in Zusammenarbeit mit dem Botaniker Sebastian Becker

Ingenieurswissenschaftliche Begleitung: Matthias Rudolph (Professor für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Entwerfen an der staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart)

Botanische und ökopolitische Begleitung: Naturschutzbund Deutschland (NABU Gruppe Stuttgart) und Robert Gliniars (Universität Hohenheim)